Symposion 2020
Eisenhüttenstadt - Zwischen Modell und Museum


Der Kunstverein im Kloster Neuzelle e.V. richtet 2020, im Jahr des 70ten Jubiläums der Errichtung
des Stahlwerks (Eisenhüttenkombinat Ost) und der darauf bezogenen Stadt Eisenhüttenstadt
das Pleinair des Landkreises Oder-Spree als Symposion mit dem Titel ‚Eisenhüttenstadt - Zwischen Modell und Museum‘ aus. Das Symposion findet vor dem Hintergrund einer Reihe von Künstlerprojekten zum Thema statt, die im Vorfeld des Symposions erarbeitet und in einer Ausstellung präsentiert werden.

Ort:                                Eisenhüttenstadt, Friedrich Wolf-Theater
Zeit:                               5. September 2020
Ausstellung:                 ehemalige Wochenkrippe neben dem
                                      Dokumentationszentrum Alltagskultur 5. - 27.9.20                         

                                      Eröffnung der Ausstellung am 4.9.20


  • Bundesarchiv_Bild_183-26012-0001,_Eisenhüttenstadt,_Stadtansicht
  • Bundesarchiv_Bild_183-37872-0005,_Eisenhüttenstadt,_Straße_der_Jugend
  • Bundesarchiv_Bild_183-37872-0006,_Eisenhüttenstadt,_Strasse_der_Jugend
  • Bundesarchiv_Bild_183-41580-0013,_Eisenhüttenstadt,_Wohnhäuser
  • Bundesarchiv_Bild_183-61967-0001,_Eisenhüttenstadt,_Friedrich-Wolf-Theater,_Rohbau

Fotos: Bundesarchiv (über Wikimedia Commons)

Zentrales Motiv des Symposions ist die Frage nach der Bedeutung der Idee einer geplanten idealen Stadt bzw. Gesellschaft in der Gegenwart, auch in ihrer historischen Dimension, mit einem Fokus auf der sozialistischen ‚Stadt der Zukunft‘. Dabei soll von der konkreten Wirklichkeit der stalinistischen Modellstadt Eisenhüttenstadt in Bandenburg ausgegangen werden.

Eisenhüttenstadt ist eine in den 50er Jahren für das Eisenhüttenkombinat Ost entworfene und gebaute ehemalige ‚Idealstadt‘ der DDR. Der ‚ideale‘ Kern der Stadt ist in einer Weise erhalten und rekonstruiert, dass der Entwurfscharakter und das Pathos des Neubeginns auf einem Gang durch die Stadt noch immer sehr deutlich werden. So sind Besucher häufig von der Großzügigkeit der Räume, der Wohnhöfe und breiten Achsen in Verbindung mit klassizistischen, dem Sozialistischen Realismus verpflichteten architektonischen Formen überrascht.

Die Stadt Eisenhüttenstadt ist heute von einem tiefen Widerspruch geprägt. In der Stadt ist wie beschrieben ein Modellanspruch immer noch spürbar. Dabei sind Charakter und Entwicklung der Stadt seit der Wiedervereinigung von einem Schrumpfungsprozeß geprägt, der mit der Auflösung des Kombinats eingesetzt hat. Das ehemalige Privileg, die bevorzugte Versorgung der sozialistischen Zeit, ist heute kaum mehr vorstellbar. Die strukturellen Herausforderungen, welchen sich die Stadt heute stellen muss, zeigen sich im Kontrast mit dem ehemaligen Modellanspruch besonders deutlich.


Unser Symposium will, ausgehend vom real existierenden Eisenhüttenstadt, die Struktur einer idealen oder utopischen sozialistischen Stadt, ihren Entwurf, seine historische Genese beschreiben, analysieren und als möglichen Bezugsrahmen für gesellschaftliches Entwerfen in der Gegenwart erschließen.

Wir haben in einer Ausschreibung mögliche TeilnehmerInnen gebeten, sich u.a. mit folgenden Fragen auseinander zu setzen:
- Eisenhüttenstadt ist in seiner Identität als monoindustrielle Gründung auf die Verbindung mit dem Stahlwerk festgelegt. Auch die Vergangenheit als ‚Idealstadt‘ des Sozialismus auf deutschem Boden ist ein identitätstiftendes Merkmal, das sich einer weiteren Entwicklung und Projektion in die Zukunft weitgehend versperrt. Wie kann der Planstadt- und heute auch Denkmalcharakter der Stadt sowohl erhalten als auch geöffnet werden, um eine ‚neue Zukunftsprojektion‘ zu ermöglichen?
- Ist der holistische Ansatz einer geplanten Stadt, im engeren Kontext der sozialistischen ‚Stadt der Zukunft‘, ein gedankliches Modell, das für gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklung und Problemlösung fruchtbar gemacht werden kann?

Die Konzepte, die uns erreicht haben, sind vielfältig und zeigen ein intensives Interesse an den Fragestellungen.

Der Kunstverein im Kloster Neuzelle ist 2018 gegründet. Sein Programm, das 2019 mit dem Projekt UTOPIE PASSION initiiert wurde, ist noch im Aufbau begriffen. Die Fragestellung des Symposiums soll in einer langfristigen Perspektive entwickelt werden.