ANNE PESCHKEN / MAREK PISARSKY

East-Side-Story Eisenhüttenstadt


In der jungen Geschichte von Eisenhüttenstadt ist der Mythos der Gründung der Stadt, sind die Anfangsjahre, in welchen die Stadt konzipiert,   geplant und gebaut wurde, die Zeit, die auch im heutigen Denkmalcharakter des Stadtkerns konserviert und hervorgehoben wird. Die Bilder dieser Zeit, die die ersten Bürger der Stadt zeigen, wirken oft wie private Aufnahmen, sind aber genau auch auf diesen Charakter hin abgestellte Inszenierungen. Eine Reihe dieser Fotografien nehmen Anne Peschken und Marek Pisarsky als Ausgangspunkt für eine Reinszenierung mit Bürgern der Stadt heute. Diese Reinszenierungen sind Teil des übergreifenden Projektes East-Side-Story.

Die im Rahmen des Projektes werden mit einer digitalen Lochbildkamera aufgenommen, einer Digitalkamera, deren Objektiv durch einen Deckel mit einer Öffnung ersetzt ist. Eine Aufnahme mit dieser Kamera fordert eine lange Belichtungszeit, kann bis 15 Sekunden betragen. In dieser Zeit müssen die Protagonisten auf den Bildern in einer Stellung verharren - der im Vorbild 'eingefrorene' historische Moment bildet sich in der Dauer der Konzentration und Anstrengung ab, mit der er in der Reinszenierung gehalten werden muss. In der Aufnahme selbst bildet sich diese Dauer in einer leichten Unschärfe ab.

Die Aufnahmen der 50er Jahren waren als Inszenierungen ein Mittel der Propaganda, Teil der Inszenierung Eisenhüttenstadts als 'erste Modellstadt des Sozialismus'. Das Pathos der Bilder aus den 50er Jahren verdankt sich dem Blick in eine behauptete bessere Zukunft. Es ist eine vergangene Zukunft, die die reinzenierten Bilder fokussieren - eine Zukunft, die für die Bürger heute, die in den reinzenierten Bildern die dargestellten Bürger der Aufbauzeit verkörpern, keine Rolle mehr spielt; während die Bildmacht der Aufnahmen aus den 50er Jahren, der Glaube an eine sozialistische Gesellschaft, den sie zeigen, immer noch spürbar ist.


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